Jürgen Klugmann
Jürgen Klugmann

Fragen anlässlich der kabinett-Ausstellung im BBKV von Dr. Günter Baumann


G.B.: Was reizt dich am Thema des Vergessens?

 

J.K.: Das Erinnern, das Vergessen, das Sein und das Nichtsein sind meiner Meinung nach vier absolut zu setzende  Eckpunkte unseres Daseins, unseres Denkens und Wahrnehmens. In diesem Feld bewegen wir uns immer. Das interessiert mich.
Das tangiert Geburt, Tod, Gott und sein Tod, Geist und Materie, Einzigartigkeit des Menschen und des Kunstwerks, Endgültigkeit, Denken, Wahrnehmen, Speichern, Festhalten, Stoffwechsel, auch der  des Kunstwerks,  Löschung, Liebe, Zerfall, Materie und ihr gegenseitiges  Auf-Einander-Bezogensein.

 

G.B.: Welche Rolle spielt die Fotografie in deiner Kunst?

 

J.K.: Mein Werk sieht auf den ersten Blick sehr verschiedenartig aus, wenn es aber etwas gibt, das sich durch all mein Schaffen zieht, so ist es der Umstand, dass ich an die Welt und ihre Ausschnitte und Details so direkt als möglich in und mit  meinen Bildern will.   Oft berühren Sie den abgebildeten Gegenstand, sei es durch Frottagen, (Der Dame Jouanne Zyklus), Abdrücke von Balken und Hirnholzdrucken in „Befund 2666“, oder die Farbabnahmen im Kloster Tepl, wo das Kloster selbst seine Materie in meinen Bildern organisiert. Das erste mal habe ich mit Fotografien gearbeitet, als ich die Waldarbeiten und den Zyklus „Schnee“ und „km 3,2“ gemacht habe. Hier habe ich das Motiv mit dem Beamer direkt übertragen. Die Detailgenauigkeit besticht mich hierbei und auch hier sehe ich die Welt im übertragenen Sinne meine Mal- oder Zeichenfläche berühren. In den Arbeiten, in denen ich Fotografie nutze, möchte ich erfahrbar machen, dass Nachahmung nicht nur in der Fläche stattfindet, sondern dass sich dabei ein sehr komplexer und weitreichender Raum öffnet. Vogelschwärme (in „schwarmfliegen“) und Menschen die ich nicht kenne und nie in der „Wirklichkeit“ gesehen habe („Die Vergessenen“), lassen sich ohne Fotovorlage nicht  in die visuelle Welt schaffen, wenn man den Anspruch hat, Wirklichkeit zu untersuchen. Da hilft das Foto beim Kultivieren des Zufalls und ist mir hierbei  hilfreiche r Weltersatz mit dem Charme, selbst Welt zu sein.  Dadurch wird wieder eine Schicht mehr eingezogen, die in diesen Arbeiten  mittransportiert wird.

 

G.B.: Das Motiv verschwindet nach und nach aus den Bildern – siehst du dich in der Tradition der abstrakten oder figurativen Kunst (im Hinblick auch auf die älteren konzeptionellen Arbeiten)?

 

J.K.: Eigentlich mehr abstrakt. Dem entgegen könnte man sagen , dass ich natürlich sehr eng am abgebildeten Gegenstand entlang arbeite, trotzdem suche ich in erster Linie die Struktur, die Ja-Nein-Bezogenheit, Harmonie oder Disharmonie,  Form und Raum, aber natürlich in erster Linie immer die Idee, das Nachdenken über die großen Themen, wie Wahrnehmung , Zeit, Kultur. .. Ich versuche in meinen Arbeiten einen gedanklichen Meditationsraum zu öffnen, den der Betrachter frei nutzen kann. Vor diesem Hintergrund also zuallererst Abstrakt. (aus dem Bauch argumentiert)

 

G.B.: Gibt es nach drei Jahren Rom italienische Einflüsse in deinem Schaffen? Welche?

 

J.K.: Wenn man drei Jahre in Rom lebt, verändert das einen sicherlich. In meiner Arbeit (Am Tiber kreisen“ und „schwarmfliegen“  habe ich mich schon von daher auf die Stadt und das dort Vorzufindende bezogen, als ich dort lebte und dies die Welt war, die mir zur Verfügung stand. Die  Arbeit „Amalie“, wieder in Tübingen entstanden, ist die erste Arbeit, die rund ist. Hier scheint mir, hat sich das Verweilen in Rom, in der Stadt, in der die Antike und die Renaissance  quasi übermächtig wirken, auch formal in meine Arbeit eingeschlichen. Es passt natürlich auch gedanklich zum Untergehen und zum Ausgegraben werden, zum Kreislauf des Seins.
Alle weiteren Einflüsse erwarte ich selbst noch mit Spannung.

 

 

 

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